Fröhliche Gedichte

Fröhlich Zuversichtlich - gut gelaunte Prosa.... mal zur Abwechslung in dieser harten Zeit....für Zusendungen (in dieser Rubrik) sind wir immer offen!

Mailied

 

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch

Und Freud' und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd', o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb', o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb' ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud'
un

Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

Johann Wolfgang von Goethe

Heinrich Heine

Schweizer Lied

Uf'm Bergli
Bin i gsässe,
Ha de Vögle
Zugeschaut;

Hänt gesunge,
Hänt gesprunge,
Hänt's Nästli
Gebaut.

In ä Garte
Bin i gstande,
Ha de Imbli
Zugeschaut;

Hänt gebrummet,
Hänt gesummet,
Hänt Zelli
Gebaut.

Uf d'Wiese
Bin i gange,
Lugt'i Summer-
Vögle a;

Hänt gesoge,
Hänt gepfloge,
Gar z'schön hänt's
Getan.

Und da kummt nu
Der Hansel,
Und da zeig i
Em froh,

Wie sie's mache,
Und mer lache
Und mache's
Au so.

Es erklingen alle Bäume

Es erklingen alle Bäume,
Und es singen alle Nester -
Wer ist der Kapellenmeister
In dem grünen Waldorchester?

Ist es dort der graue Kiebitz,
Der beständig nickt so wichtig?
Oder der Pedant, der dorten
Immer kuckuckt, zeitmaßrichtig?

Ist es jener Storch, der ernsthaft,
Und als ob er dirigieret,
Mit dem langen Streckbein klappert,
Während alles musizieret?

Nein, in meinem eignen Herzen
Sitzt des Walds Kapellenmeister,
Und ich fühl, wie er den Takt schlägt,
Und ich glaube, Amor heißt er.

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.

Eduard Mörike

Nur zu!

Schön prangt im Silbertau die junge Rose,
Den ihr der Morgen in den Busen rollte,
Sie blüht als ob sie nie verblühen wollte
Und ahnet nichts vom letzten Blumenlose.

Der Adler schwebt hinan ins Grenzenlose,
Sein Auge trinkt sich voll von sprühndem Golde;
Er ist der Tor nicht, daß er fragen sollte,
Ob er das Haupt nicht an die Wölbung stoße.

Mag denn der Jugend Blume uns verbleichen,
Noch glänzet sie und reizt unwiderstehlich;
Wer will zu früh so süßem Trug entsagen?

Und Liebe, darf sie nicht dem Adler gleichen?
Doch fürchtet sie; auch fürchten ist ihr selig,
Denn all ihr Glück, was ist's? ein endlos Wagen!

Theodor Fontane

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,

Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?

Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.

Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.

Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was er damals tat,

Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Nicht dran rühren

Nicht dran rühren.
Wehe, es beugt sich wer,
wirft Schatten, wird tätig.

Nie wieder soll irgendein dummer Prinz
seine Rolle zu Ende spielen,
auf daß der Koch dem Küchenjungen
schallend die Ohrfeige austeilt
und weitere Folgen zwangsläufig.

Ein einziger Kuß hebt auf.
Danach geht alles, was schlief,
schrecklicher als zuvor
weiter, als sei nichts geschehn.

Aber Dornröschenschlaf hält
immer noch alle gefangen,
die freigelassen zum Fürchten wären.

von privat (oder unbekannte Authoren)

Wilhelm Busch

Sei ein braver Biedermann,

Sei ein braver Biedermann,
Fange tüchtig an zu loben!
Und du wirst von uns sodann
Gerne mit emporgehoben. Wie,
du ziehst ein schiefes Maul?
Willst nicht, daß dich andre adeln?
Na, denn sei mir nur nicht faul
Und verlege dich aufs Tadeln. Gelt,
das ist ein Hochgenuß,
Schwebst du so mit Wohlgefallen
Als ein sel'ger Kritikus
Hocherhaben über allen.

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist
Und weil mich doch der Kater frißt,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

Ein dicker Sack

Ein dicker Sack - den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mühle tragen wollte,
Um auszuruhn, mal hingestellt
Dicht bei ein reifes Ährenfeld -
Legt sich in würdevolle Falten
Und fängt 'ne Rede an zu halten.
»Ich«, sprach er, »bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin's, der euch auf dieser Welt
In Einigkeit zusammenhält.
Ich bin's, der hoch vonnöten ist,
Daß euch das Federvieh nicht frißt;
Ich, dessen hohe Fassungskraft
Euch schließlich in die Mühle schafft.
Verneigt euch tief, denn ich bin der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär'?«
Sanft rauschen die Ähren:
»Du wärst ein leerer Schlauch,
Wenn wir nicht wären.«

Selig sind die Auserwählten

Selig sind die Auserwählten,
Die sich liebten und vermählten;
Denn sie tragen hübsche Früchte,
Und so wuchert die Geschichte
Sichtbarlich von Ort zu Ort.
Doch die braven Junggesellen,
Jungfern ohne Ehestellen,
Welche ohne Leibeserben
So als Blattgewächse sterben,
Pflanzen sich durch Knollen fort.

Musik ist angenehm zu hören

Musik ist angenehm zu hören ...
Musik ist angenehm zu hören,
Doch ewig braucht sie nicht zu währen.
Kunst: Verzierung dieser Welt.

Ethische Bedeutung der Kunst zweifelhaft -
der Maler hält bei den Augen,
der Musiker bei den Ohren in der Welt fest.

Ganzes Genie und Brockengenie.
Letzteres gewöhnlich.

Saft, der nicht stark genug eingekocht ist,
verdirbt. - Kunstwerk.

Gestaltungsdrang, der sich in Formen gießt.

Leichter und schwerer Erfolg: Der eine betut
sich im Traum, der andere muß drücken,
daß ihm der Kopf berstet.

Töpfe sind auch Kunstgeschöpfe.

Neues Klavier: ungeborener Lärm im Leib.

Musikalischer Floh im Ohr.

Es ist die Länge der Gesänge
Zu lang für meines Ohres Länge.

Oft trifft man wen, der Bilder malt,
Viel seltener wen, der sie bezahlt.

Gedanken sind nicht stets parat,
Man schreibt auch, wenn man keine hat.

Nicht, wer selbst ein Lautenschläger,
Sondern ein Gedichtsverleger
Ist der rechte Kritikus,
Nämlich, weil er zahlen muß.

Oft ist das Denken schwer, indes,
Das Schreiben geht auch ohne es.

Er läßt sich nicht helfen beim Dichten.
Der Bauer macht seine Kinder jetzt selbst.

In des Dichters Herzen
Brennen oft mehrere Kerzen.

Neue Gedanken sind nicht häufig;
Sag uns die alten nur geläufig.

Jeder hat mal Flut, mal Ebbe; dazwischen liegt sein
natürliches Wesen, je nachdem ihn der Mond, sein Genius,
sinken läßt oder hebt. Was darunter, vielleicht auch
was darüber, soll er nicht veröffentlichen.

Wer zur Puppenbühne geht, sieht die Drähte.

Wer rudert, sieht den Grund nicht.

Wer zusieht, sieht mehr, als wer mitspielt.

Wer beobachten will, darf nicht mitspielen.

Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt

Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt
Läuft die Zeit; wir laufen mit.
Prosit Neujahr -
Ob gut, ob schlecht, wird später klar.
Doch bringt's nur Gesundheit und fröhlichen Mut
Und Geld genug, dann ist's schon gut.

Mich hatt's gefreut,
So neu zu sehn in eleganten
Schreibfederstrichen die Bekannten
Aus alter Zeit.

Na, Prosit! sagte Fritzchen Köhler.
Nach dem Examen ist mir wöhler.

Besten Gruß an die gesamten
Steuer= wie auch Zollbeamten.
Was sie dichten voll Gemüt,
Zeigt uns, daß ihr Weizen blüht.

Hochmütig ist der Pfaffen Zunft;
O Bismarck, bring sie zur Vernunft!
Schmoll nicht zu lange in Varzin,
Sonst möcht' wohl gar ihr Weizen blühn.
Nimm sie beim Ohr und sprich zuletzt:
Hier, meine Herrn, gilt das Gesetz.

Ach, Herr, mach alles wieder recht,
Dämpf die Pfaffen und Kriegersknecht.
Gib Frieden, dazu viel edlen Wein,
Auf daß wir allesamt lustig sein.

Max und Moritz, diese Knaben,
Sollen, hör' ich, Eltern haben.
Einen der und eine die,
Nämlich Scherz und Phantasie.

Wohl sind die Töne längst verklungen,
Die wir, die Alten, einst gesungen;
Doch stets melodisch klingt es fort,
Im Jugendchor, das deutsche Wort.

Ach, mitunter muß man lügen,
Und mitunter lügt man gern!

Stets trank er lieber Wein als Wasser
Und war auch nie ein Weiberhasser.

Raum ist in der kleinsten Hütte
Für ein einzig liebend Paar.
Nur für Karoline Schütte
Und für mich ist das nicht wahr.

Froh hupft der Floh.
Vermutlich bleibt es noch lange so.

Fortuna lächelt, doch sie mag
Nur ungern voll beglücken;
Schenkt sie uns einen Sommertag,
So schenkt sie uns auch Mücken.

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